Sentinel

Lymphknotenentfernung bei der Behandlung des Brustkrebses

 

Die operative Entfernung der Brust war weltweit für Jahrzehnte die Standardbehandlung beim Mammakarzinom (Brustkrebs), meist in Form der Entfernung der gesamten Brust (radikale Mastektomie), bei der neben dem Brustgewebe auch die Brustwandmuskulatur und weitgehend die Lymphknoten im Bereiche des Schlüsselbeines und der Achselhöhle entfernt wurden. Später kamen schonendere Operationstechniken hinzu, indem beispielsweise der Brustmuskel belassen wurde.

 

Eine vergrösserte Aufmerksamkeit seitens der Frauen und Aerzte sowie die häufiger durchgeführte Mammographie haben mittlerweile zu einer besseren Früherkennung des Mammakarzinoms geführt. Die Diagnose eines Frühstadiums bedeutet in der Praxis eine annähernd 100% Heilungschance sowie in den meisten Fällen ein Belassen der Brust in ihrer natürlichen Form. Der Anteil der sogenannten brusterhaltenden Operationen ist in den letzten Jahren beachtlich gesteigert worden, auf die von vielen Frauen besonders gefürchtete Amputation der Brust kann heute in rund 80% der Fälle verzichtet werden.

 

Nach wie vor gilt das Erkennen eines allfälligen Tumorbefalles der Lymphknoten in der Achselhöhle als wichtiger Prognosefaktor und Indikator für eine allfällige notwendige Zusatzbehandlung (Chemotherapie/Bestrahlung der Achselgegend). Die weitgehende Ausräumung der axillären Lymphknoten ist aber bei rund 60% der Frauen überflüssig, da die Lymphdrüsen nicht befallen sind. Zudem treten nach dem Eingriff in der Achselhöhle in 10%-15% postoperativen Beschwerden wie chronische Schmerzen und Armschwellung auf.

 

Die neue Technik der sogenannten Sentinel-Lymphonodektomie (Aufsuchen und Entfernen des Wächter-Lymphknotens in der Achselhöhle) hilft nun auch den Eingriff in der Achselhöhle auf ein absolut notwendiges Minimum zu reduzieren. Nach einer radioaktiven Markierung wird der oder die wenigen in Frage kommenden Lymphdrüsen, die sich meist oberflächlich in der Achselhöhle befinden, aufgesucht, entfernt und sofort untersucht. Nur bei Krebsbefall dieser Lymphknoten wird die restliche Achselhöhle wie bisher ausgeräumt. Die Dauer des Eingriffes, die postoperative Erholungsphase sowie die Komplikationsrate sind bei dieser Technik deutlich geringer als bei der herkömmlichen Methode. Das entsprechende Instrumentarium zur Durchführung dieser Operation (Gammadetektor) wurde am Salemspital bereits vor geraumer Zeit angeschafft. Um die Fehlerquote während der Lernphase dieser Technik so gering wie möglich zu halten, werden diese Eingriffe jeweils unter Beizug eines erfahreneren Kollegen durchgeführt. Eine ständige Qualitätskontrolle der Ergebnisse ist dabei selbstverständlich.

 

Schematische Darstellung des Sentinel- (Wächter-) Lymphknotens

Die Lymphbahnen des Brustdrüsengewebes werden durch die erste Lymphknotenstation, den sog. Wächter-Lymphknoten gefiltert. Falls eine Tumor-Aussaat stattgefunden hat, ist dies der erste Lymphknoten der befallen ist.

Sind im Sentinel-Lymphknoten Tumorzellen nachweisbar, muss mit dem Befall weiterer Lymphknoten im Achselhöhlenbereich gerechnet werden.

Gammadetektor

Mit der Sonde des Gammadetektors (Geigerzähler-Prinzip) kann während der Operation der radioaktiv markierte Sentinel-Lymphknoten aufgesucht werden.

Gammadetektor in der Anwendung

Durch einen kleinen Hautschnitt wird unter Zuhilfenahme des Gammadetektors der Sentinel-Lymphknoten auf schonende Weise dargestellt und entfernt.