TVT (Tension free Vaginal Tape)

Inkontinenz-Operation nach dem TVT Verfahren

 TVT ein operatives Verfahren, bei dem ein spannungsfreies Vaginalband implantiert wird, welches den mittleren Anteil der Urethra (Harnröhre) unterstützt. Es dient der Behandlung der weiblichen Stressharninkontinenz oder einer Mischform (Stress-/Dranginkontinenz).

TVT wurde von Prof. Ulmsten an der Universitätsfrauenklinik Uppsala in Schweden in Zusammenarbeit mit der Industrie 1995 entwickelt und Ende 1999 erstmals in der Schweiz eingesetzt. Präoperativ ist eine urogynäkologische Untersuchung einschliesslich einer urodynamischen Messung zur klaren Diagnosestellung erforderlich, diese kann ambulant erfolgen. Die Operation wird während eines kurzen stationären Aufenthaltes in Lokalanästhesie unter Analgosedierung (Kombination eines Beruhigungs- und Schmerzmittels) oder unter einer rückenmarksnahen Betäubung (Spinalanästhesie/"Sattelblock") durchgeführt.

 

Was geschieht bei der TVT-Operation?

Zunächst wird eine Lokalanästhesie abdominal oberhalb der Symphyse (Schambein) und vaginal 1 cm unterhalb der Urethralöffnung(Harnröhrenöffnung) gesetzt. Danach erfolgt die Inzision (Eröffnung) der vorderen Scheidenwand in einer Länge von ca. 2 cm und es wird ein Kanal zu beiden Seiten der Harnröhre präpariert. Durch diesen vorgegebenen Weg kann das TVT-Band mittels eines speziellen Führungsinstrumentes problemlos von der Scheide hinter der Symphyse zur vorderen Bauchwand hin geführt werden. Das Band bleibt spannungsfrei unter der Urethra liegen. Nach Auffüllen der Harnblase mit Kochsalzlösung wird durch einen Hustentest geprüft, ob die Harnröhre ausreichend abdichtet. Das TVT-Band kann dann entsprechend gestrafft werden. Noch während der Operation erfolgt eine Blasenspiegelung (Zystoskopie) zum Ausschluss einer Fehlplatzierung des Bandes bzw. einer Blasenverletzung. Die Patientinnen können bereits einige Stunden nach der Operation Wasserlassen und benötigen keinen Blasenkatheter.

 

 TVT: schematische Darstellung TVT: anatomische Darstellung
   

Beim TVT Verfahren werden die Bauchdecken, die Region hinter dem Schambein und das Gewebe um die Harnröhre mit Lokalanästhesie umspritzt. Alternativ kann die Operation auch in Spinalanästhesie durchgeführt werden. Das Band wird hinter dem Schambein hochgezogen und soweit angezogen, bis die Patientin beim Husten-Test keinen Urin mehr verliert.

Das TVT-Band wird um die Harnröhre geführt und hinter dem Schambein hochgezogen. Das Einführinstrument wird durch zwei kleine Einstiche zur Bauchdecke herausgeführt. Das Band braucht nicht angenäht zu werden und verwächst mit den Schichten der Bauchwand.


Die Harnröhre wird durch das TVT Band unterstützt und kann sich bei Belastung nicht mehr senken.

 TVT Band

 

 

 

Das TVT Band besteht aus Prolene, einem gewebeverträglichen Kunststoff, der sich nicht auflöst. Mehr als 90 Prozent aller Patientinnen sind nach dieser Operation wieder vollkommen kontinent, verlieren keinen Harn mehr und zeigen erhebliche Verbesserungen beim Harnverhalten.

 

Verbesserte Methode: SPARCR Schlingen-System

Durch die Verwendung einer stumpfen Führungsnadel deren Durchmesser wesentlich dünner ist und die von oberhalb des Schambeines eingestochen wird, ist es gelungen, die TVT-Methode noch sicherer und noch schonender zu gestalten.

Vorteile der TVT-Operation:

  • kurzer Krankenhausaufenthalt
  • Eingriff in Lokalanästhesie
  • auch bei älteren Frauen (mit Einschränkungen für grössere operative Eingriffe) durchführbar
  • sofortige Erfolgskontrolle möglich
  • geringe Komplikationsrate
  • kein Blasenkatheter erforderlich
  • geringfügige Schmerzen postoperativ
  • mit anderen Operationen kombinierbar (zum Beispiel mit Hysterektomie, Laparoskopie, Deszensusoperationen)
  • auch bei Voroperationen möglich
  • Heilung und Besserung der Streßinkontinenz in 90% der Fälle

 

Seltene Komplikationen:

  • Blasenverletzung
  • Harnentleerungsstörung (meist vorübergehend)
  • Gefäss- und Nervenläsionen

Urininkontinenz ist kein Tabu-Thema mehr! Zögern Sie nicht, Ihren Arzt aufzusuchen, falls Sie unter ungewolltem Urinverlust leiden!